Urformen der Schönheit 3

Der Atem als Ausdruck des Lebens gibt Glas eine Form. (Ich beziehe mich immer noch auf die Ausstellung „Simples Formes“ im Centre Pompidou in Metz.) Glasblasen war durch die Jahrhunderte eine formende Kunst, die nicht nur einen langen Atem, sondern auch große Fertigkeit erforderte. Folgerichtig werden in dem Bereich, der mit „Atem“ überschrieben ist, alte Glasbehälter, Fiolen, Flaschen und modernes Retortenglas einer großen, fast unsichtbaren Glasblase von Susanna Fritscher gegenübergestellt. Übrigens das einzige moderne Kunstwerk in dieser Abteilung. Und das ist so zart, so fragil, dass ich bei seinem Anblick unwillkürlich den Atem angehalten habe.

Ich schreibe hier immer von Bereichen und Abteilungen: die Ausstellung ist in ca. zwölf kreisrunde Räume gegliedert. Jeder ist einer der Kräfte gewidmet, die formend auf Material einwirken.