Die erste Minute als Skulptur

One minute sculpture 1Das hatte ich mir doch etwas einfacher vorgestellt. Der österreichische Künstler Erwin Wurm gibt im Städelmuseum, Frankfurt, Anregungen, wie Besucher für die Dauer von 60 Sekunden zur lebenden Skulptur werden können. Dazu hat er Podeste bereitgestellt und kleine Anleitungen aufgezeichnet. Unten links kann man gerade noch ein Beispiel erkennen. Nun, wie man auf dem Bild sehen kann, habe ich mein Bestes gegeben, um fünf Schwammtücher an der Wand festzuklemmen. Allerdings war mir vorher nicht klar, wie lang 60 Sekunden in dieser Haltung sein können. Die größte Herausforderung war allerdings der Wechsel vom Subjekt zum Objekt. Sich für eine Minute zum Affen machen … erst mal schauen, ob auch keiner guckt.

Die unterirdischen Kanäle

Wie gesagt, unterwegs fotografiere ich lieber. Das Merkwürdige ist, dass ich oft nicht einmal die Fotos nachher anschaue, geschweige denn ausdrucke. Dennoch hat sich meist ein bestimmter Eindruck festgesetzt, der irgendwann in einem Bild wieder auftaucht. Niemand ist erstaunter als ich, wenn mir das bewusst wird. So zuverlässig arbeiten die „unterirdischen Kanäle“.

Noch einmal Skizzenbuch

Wie so oft, befinde ich mich in bester Gesellschaft;-) Andere Künstler haben bestätigt, dass auch sie ungern mit einem Skizzenbuch arbeiten. Bei mir hat das deshalb keinen Sinn, weil ich nur in meinem Atelier arbeiten kann. Und ein Skizzenbuch soll ja vor allem unterwegs seinen Zweck erfüllen. Aber unterwegs fällt mir selten etwas auf – erst hinterher fällt mir was ein. Eine Kamera macht da sehr viel mehr Sinn.

Die Sache mit dem Skizzenbuch

Irgendjemand hat es mal für nötig gehalten, ein Buch zu schreiben mit dem Schönen Titel „Mut zum Skizzenbuch“. An Mut mangelt es mir wahrlich nicht und dennoch werden das Skizzenbuch und ich nie so richtig warm miteinander. Egal wie schön es ist, welche Qualität das Papier hat – meist habe ich es zweckentfremdet bevor es die erste Skizze aufnehmen konnte. Woran das liegt? Darüber müsste ich mal nachdenken;-)

Erdmenger folgt einer Linie

Wer ist Erdmenger? Keine Ahnung, aber der Schriftsteller Christoph Peters weiß es. Er hat eine Geschichte über ihn geschrieben und die handelt im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. Er verrät die Stadt nicht, aber es gibt deutliche Indizien: Zwei Löwen rechts und links vom Eingang, eine lange Renovierungszeit des maroden Gebäudes, die historischen Dioramen mit ihren Tierpräparaten und (last not least) die Jutebahnen an der Wand der Räume, die eine Sammlung von Elementen aus Alchemie, Schamanismus und Alltagsgegenständen enthalten. Letzteres bezieht sich auf die Sammlung Beuys.

Warum mir das nun gerade heute einfällt? Beim Vorbeifahren war zum ersten Mal seit Jahren deutlich zu erkennen, dass das Landesmuseum demnächst wieder geöffnet wird. Der von Christoph Peters beschriebene Verfall hat ein Ende.

Sprudel nach der Pause

Wieder in Deutschland gelandet könnte ich erneut über die Wirkung von Pausen auf die künstlerische Arbeit schreiben. Aber die geneigten Leser und Leserinnen kennen meine diesbezüglichen Erfahrungen und Strategien bereits. Außerdem ist es diesmal anders. Im Moment habe ich eher zuviel im Kopf als zu wenig. Es sprudelt und sprudelt und ich habe alle Mühe genügend Eimer, Becher, Vasen, Flaschen herbeizuschaffen, um alles aufzufangen, zur späteren Nutzung und Aufbereitung. Auch um später in diesem Blog gewürdigt zu werden. Bis dahin noch etwas Geduld.

Of Birds and Trees

Chateau LaudenneZum Abschluss der Frankreich-Episode noch ein Blick in den Ausstellungsraum. Dieser heißt – wie man unschwer erkennen kann – la salle rosée. Gehängt habe ich sieben Seidenfahnen mit Zeichnungen vom Blattwerk diverser Bäume. Die kleinen Bilder drum herum zeigen Zeichnungen von Singvögeln. Während der Vernissage waren die Vogelstimmen vom Band zu hören. Details der Zeichnungen sind in der Galerie meiner Website zu finden.

 

Wie Uhren in Frankreich ticken

Zuviel Professionalität? Nun, darüber konnte ich mich bei der Vorbereitung der Ausstellung in Chateau Loudenne nun wirklich nicht beklagen. Im Gegenteil. Dabei bin ich ja einiges gewohnt und habe mich entsprechend mit allen möglichen technischen Hilfsmitteln ausgestattet (siehe vorletzen Post). Aber auf diese Nonchalance war ich denn doch nicht gefasst. Zehn Tage vor Beginn der Ausstellung wurde mir während des Aufbaus mitgeteilt, dass die Vernissage um eine Woche verschoben wird. Ich dachte, mich trifft der Schlag.

Das war eine echte Herausforderung, nun selbst nonchalant zu bleiben, nach dem Motto „Anscheinend ticken die Uhren in Frankreich anders, Frau Anders.“ Und wider alles Erwarten war die Vernissage recht gut besucht und die Reaktion der Presse sehr erfreulich.