Malweiber und Malkerle

Heute steht `Malweib´ Gabriele Münter hoch im Kurs. Genauso wie Ihre Kollegin Paula Modersohn-Becker. Um die vorletzte Jahrhundertwende war es ganz normal, Künstlerinnen als Malweiber abzuwerten. Anerkennung fanden sie nur bei ganz wenigen Kunstfreunden und verkauften entsprechend wenig. Damit standen sie nicht alleine, denn viele männliche Künstler, die heute hoch geschätzt werden,  wurden zu Lebzeiten auch nicht anerkannt. Immerhin wurden diese nicht als Malkerle bezeichnet. Bewundernswert ist es aber in jedem Fall, wie viele Künstler und Künstlerinnen lange Phasen der Geringschätzung durchgestanden haben und dennoch weiter gearbeitet haben.

 

Kunst als Beruf?

„Betrachte die Kunst nie als deinen Beruf, wenn du nicht darin enttäuscht werden möchtest… suche stets anderswo nach Geld und Ansehen, damit du der Kunst nicht grollen musst, falls man dir für dein Talent und deine Mühe den gerechten Lohn versagt.“ schreibt Orhan Pamuk in dem Buch `Rot ist mein Name´.

Da ist wohl etwas dran, denn selbst berühmte Künstler heutzutage leben vielfach von ihrer Professur oder einer sonstigen Festanstellung. Nur ganz wenige müssen ihrer Kunst niemals grollen, weil sie ohne Probleme ihre Brötchen und sonst noch so einiges davon zahlen können.

Kein Kommentar!

So ist das also. Jetzt habe ich eine Zeit lang ausprobiert, auch Kommentare zum Blog auf meiner website zuzulassen und was passiert? Massenhaft lobhudelnde Kommentare in allen Sprachen dieser Welt (soweit ich sie verstehen kann), aber bei genauerem Hinsehen alles Spams. Die Folge? Ich habe den Kommentarknopf wieder abgestellt.

Da freue ich mich doch über die wirklich Interessierten, die sich über das Kontaktformular oder über Xing melden. Meine Devise „lieber klein und fein“ hat sich damit mal wieder bestätigt.

Was in der Kunst fehlt

Zu diesem Thema ein Zitat: „Einiges scheint mir heutzutage (in der Kunst M.A.) überperfektioniert, zu vieles kommt daher oder gibt sich den Anschein. Etliche Künstler sind mir heutzutage zu clever… Zu vieles, was Sie machen, scheint mir mit dem Blick auf den Kunstmarkt konzipiert und kurzfristig angelegt. Ich sehe zu viel Betriebsamkeit und zu wenig Getriebenheit, zu viel Willen zur augenblicklichen Wirkung…“ (Wieland Schmidt, Kunstzeitung 180)

Vielleicht ist es gerade das, was mir an dem derzeitigen Fotoboom missfällt. Wohlgemerkt, es gibt wunderbare Fotos, die von großer Kunst zeugen. Aber viele scheint Fotografie zum „Lackieren“ zu verführen, zum schnellen Schuss unter Umgehung gedanklicher Vorbereitung und Verarbeitung. Oder unter Ausnutzung sämtlicher digitaler Möglichkeiten um etwas „Neues“ zu produzieren. Dasselbe gilt natürlich für andere Formen der Kunst. An der Fotografie fällt es mir im Moment nur besonders auf.

Kunst und Geld, seufz…

In der Straßenbahn hing eine Werbung: Museum Stangenberg-Merck, eines der schönsten Museen an der Bergstraße. Das Wetter war schön, die Laune entspannt, Lust auf einen kleinen Ausflug. Das Museum liegt wirklich traumhaft am Hang des Odenwalds, wunderbarer Blick Richtung Taunus, gepflegte Parkanlage und das Haus ein Schmuckstück. Also deshalb hat es sich wirklich gelohnt dort hin zu fahren.

Ansonsten – was soll ich sagen…. Was dort an Kunst hängt ist abgesehen von ein paar Ausnahmen wenig überzeugend. Warum ihnen ein Museum gewidmet wurde? Die Malerin und ihre Mutter (die ein paar interessante Bilder beigesteuert hat) gehören zur Familie Merck (Pharmakonzern). In diesem Haus hat Heidy Stangenberg-Merck ihre Kindheit verbracht. Und es jetzt zu ihrem Museum gemacht.

Kunst und Geld…. seufz….

Darf man einen berühmten Maler schlecht finden?

Der etwas regnerische Karfreitag war eine gute Gelegenheit, um in die Ausstellung von Emil Nolde im Städel-Museum, Frankfurt,  zu gehen. Ich war neugierig und habe mich darauf gefreut, mal einen umfassenderen Überblick über sein Werk zu bekommen.

Also ich wage es jetzt mal und sage, dass ich enttäuscht war. Wenn ich Nolde mit Beckmann, Kirchner oder Schiele vergleiche (alles mehr oder weniger Zeitgenossen), dann fällt er in meinen Augen erheblich dagegen ab. Mir erscheint sein Werk sehr zerrissen und wenig künstlerisch durchdrungen.

Ich weiß, ich weiß, jetzt habe ich alle Kunsthistoriker, die in blumigen Worten seine Qualität hervorgehoben haben, gegen mich. Aber auch da fiel mir auf, dass die Kommentare zu einzelnen Bildern sehr an der Oberfläche geblieben sind – das beschreibend, was ohnehin zu sehen ist.

Allerdings: Es gab auch ein paar Ausnahmen in der Ausstellung. Einige von den Aquarellen, ein paar Seestücke und vor allem das Bild von Adam und Eva. – Wie gesagt, das ist meine persönliche Wahrnehmung und ich gehe davon aus, dass die Massen an Besuchern, die durch die Ausstellung strömen, begeistert sind.

Und zum letzten Mal: Strategien der Kunst

Narration. „Der Akt des Erzählens in der Gegenwartskunst ist eines der am schwersten zu begrenzenden Konzepte“, da er in fast alle anderen Strategien der modernen Kunst hinein spielt. So heißt es in dem Artikel im Novemberheft 2011 von Art. Als Beispiele werden Bilder von Max Ernst genannt oder heute die Arbeiten von dem New Yorker Künstler Matthew Barney.

Negation. Auch das eine Strategie: Dada negierte den Sinn in der Kunst, die Performance Art das Objekt. Noch weiter geht Tino Sehgal, der Aufseher in leeren Ausstellungsräumen die Titel von nicht vorhandenen Bildern aufsagen lässt.

Provokation ist seit jeher die umstrittenste künstlerische Strategie und vielleicht deswegen so beliebt – so der Autor des oben genannten Artikels. Berühmtes Beispiel George Grosz.

Und last but not least die Ironisierung. Als legendäres Beispiel werden die Bildtitel von  Martin Kippenberger genannt oder die Arbeiten von Maurizio Cattelan, der seinen Galeristen mit Gaffa-Tape an eine Wand klebte. Zu seinem Glück hat der Galerist mitgespielt.

Uff. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Kunstkritiker oder Galeristen;-)

 

Weitere Strategien der Kunst

Es ist gar nicht so einfach, die Strategien der modernen Kunst kurz zusammen zu fassen. (Siehe auch Post von gestern) Dennoch, hier die nächsten drei:

Inszenierung. Motto: Mehr ist mehr. Dabei handelt es sich um eine Verknüpfung von Kunst und Bühne mit dem Ziel, die Überforderung des Daseins darzustellen. Ein Beispiel dafür ist Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“ oder die Performance Kunst.

Transformation. Motto: Das Aschenputtel-Prinzip. Beispiel dafür ist Marcel Duchamps Flaschentrockner, der zur Skulptur erklärt wurde.

Was nicht passt, wird passend gemacht ist das Motto der Collage. Hannah Höch hat als eine der ersten mit Collagen gearbeitet. Als eine heutige Form werden die Gemälde von Neo Rauch angesehen. Wohlgemerkt, ich beziehe mich immer noch auf den Artikel in der Zeitschrift Art vom November 2011. Bis morgen.

Strategien der modernen Kunst

„Die zehn geheimen Tricks der Kunst“ hieß ein Artikel den die Zeitschrift Art (November 2011) vor ein paar Jahren veröffentlicht hat. Der Post gestern hat mich angeregt, diesen noch mal vorzuholen und hier kurz die zehn dort vorgestellten Strategien zu beschreiben.

Irritation ist eine der Strategien, die häufig verwendet wird (Beispiel René Magritte mit dem Mann vor dem Spiegel, bei dem man beide Male nur den Hinterkopf sieht).

Partizipation ist eine andere (zum Beispiel Joseph Beuys mit der Pflanzung von 7000 Eichen in Kassel).

Die dritte, die ich heute nenne, ist Inspektion oder das Gesetz der Serie. Beispiel hierzu sind Hilla und Bernd Becher mit ihren Fotoserien von aufgelassenen Industrieanlagen. Morgen dazu noch mehr.

Was Kunst alles kann, Folge 3

„Kunst macht glücklich“. Dieses Motto steht in einem meiner Webprofile. Ein aufmerksamer Leser meint dazu, dass das gar nicht stimmen kann. Kunst irritiere auch, fordere heraus, gehe bis an die Schmerzgrenze, verfremde und so weiter und so fort. Alles Strategien, die in der modernen Kunst häufig vorkommen. Nur das Glück komme bei dem, was Kunst alles kann, nicht vor.

Dazu kann ich nur sagen: BEI MIR SCHON;-))))

Was Kunst alles kann, Folge 2

felsenspalten-01Gestern habe ich geschrieben, dass Kunst manchmal auch Antworten gibt. Beim Nachdenken fiel mir dann noch ein Beispiel ein: Eine Besucherin im Atelier hatte einen für sie ziemlich verstörenden Traum gehabt, in dem sie gegen Felsmassive anrannte und nicht herausfand. Beim Anblick des nebenstehenden Bildes „Felsenspalten“ fühlte sie sich plötzlich berührt und ausgesöhnt. Natürlich weiß ich nicht, wie das zu Stande kam und welche Mechanismen sich in ihr abgespielt haben. Aber ich hatte doch den Eindruck, dass das Bild zu einer inneren Antwort verholfen hat.

Auch deshalb finde ich mein Motto „Kunst macht glücklich“ absolut berechtigt.

Was Kunst alles kann, Folge 1

Kunst stellt Fragen, Design gibt Antworten. Das zumindest behaupten zwei deutsche Modeschöpfer. Aber stimmt das? Über Design kann ich wenig sagen, aber dass Kunst auch Antworten gibt und nicht nur Fragen stellt, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Wenn ich auch die Antworten nicht immer gleich verstehe. Oft deshalb, weil mir nicht klar war, dass mich eine Frage bewegt. Erst wenn ich mit Abstand auf das Bild schaue, klärt sich so manches.

Da sich in der Kunst so vieles im vorbewussten Raum abspielt finde ich solche Konstatierungen wie eingangs zitiert auch immer etwas problematisch. Ich schaue mir dann gerne an, WER so etwas behauptet. In diesem Fall eindeutig Menschen aus einem Antwort gebenden Beruf;-) Übrigens gibt es noch mehr solcher Sätze über Kunst. In loser Folge werde ich den einen oder anderen aufgreifen.

Übrigens handelt es sich bei den Modeschöpfern um Oliver Lühr und Thomas Bentz vom Label Achtland. Weder die Herren noch die Marke waren mir bisher bekannt.

Pinsel, Farbe oder Creme?

Tage, wie dieser. Ein strahlend blauer Himmel, die Blätter von einer leichten Brise bewegt, die Luft noch kühl – ideal für einen Spaziergang über die Wiese am Waldrand entlang.

ABER da steht noch ein Bild auf der Staffelei. Die Pinsel wackeln auffordernd mit ihren Borsten. Was die Farbe macht wollen wir gar nicht wissen. Klar ist nur, dass sie beleidigt sein wird, wenn ich statt ihrer zur Sonnencreme greife. Eine echte Gewissensentscheidung;-) Und zwar eine, die für mich den wahren Luxus ausdrückt. Wie ich mich entscheiden werde? Dreimal dürfen meine Leser raten.

Einen wunderschönen Tag an alle.

Her und hin im Ausstellungsbetrieb

Manchmal ist es doch verflixt. Da ist seit einem Jahr eine Ausstellung fest verabredet. Das Konzept steht, die Arbeiten sind schon unterwegs, die Reise gebucht – da geht plötzlich gar nichts mehr. Der Veranstalter muss neu planen, ist krank geworden, nicht erreichbar. Oder eine andere Variante von „Steht alles in den Sternen“.  So auch in diesem Jahr. Meine Einzelausstellung „Of Birds and Trees“ in Chateau Loudenne an der Gironde (Nähe Bordeaux) stand wochenlang auf wackeligen Füßen.

Was tun? Ich habe mir angewöhnt in solchen Situationen einfach klar zu bleiben und weiter davon auszugehen, dass die geplante Einzelausstellung stattfindet. Und bisher hatte ich immer Glück. Auch dieses Mal. Ende Mai findet die Vernissage statt und jetzt kann ich mich richtig darauf freuen.

Was man heute über morgen zu wissen glaubt

„Künstlerinnen werden wir morgen als die Avantgarde von heute erkennen.“ So zumindest  wird Jörn Markart auf einer Stele am Weg zur Berlinischen Galerie zitiert. Im ersten Moment erscheint das als kühne Behauptung. Zumal unsere Sehgewohnheiten ohnehin 100 Jahre hinterherhinken (Post vom 17.3.2014). Und genau deswegen ist der Spruch auch etwas beliebig, denn wer von uns kann das schon nachprüfen?????

Über den Autor konnte ich leider nichts weiter herausfinden, deshalb lässt sich auch nicht nachvollziehen wie er zu seiner Prognose gekommen sein könnte. Also überlasse ich weitere Gedanken meinen Lesern und mache mich an die Arbeit. Könnte ja sein, dass ich zur Avantgarde von morgen gehöre;-)))))

Schließlich heißt es DIE Kunst

Zu dem Post „Gibt es weibliche Kunst?“ vom 1. April habe ich einen engagierten Kommentar bekommen, mit dem Hinweis, dass es eben doch Kunstwerke gibt, die weiblich wirken. Gerade auch die Plastiken aus Zellophan von Karla Black.

Die Schreiberin hat mit ihrer Wahrnehmung sicher recht. Gleichzeitig überkommt auch mich ein Unbehagen, wenn ich Zuschreibungen wie „weibliche Kunst“, „Frauenkunst“ und ähnliches höre, denn damit ist immer eine gewisse Abschätzigkeit verbunden.

Die Frage ist natürlich, ob man weiter gegen solche Zuschreibungen argumentieren will oder nicht doch selbstbewusst zur eigenen Ausdrucksform steht. Rosemarie Trockel fällt mir dazu ein mit ihren Strickbildern. Sicher werde ich noch öfter dazu etwas schreiben, denn das Thema bewegt mich immer mal wieder.

UND: Schließlich heißt es DIE Kunst;-))

Künstler ohne Können?

Dass es Könner gibt, die keine Künstler sind ist offensichtlich. Aber gibt es auch den umgekehrten Fall? Diese Frage beschäftigt mich, seit ich das über den „Könner, aber kein Künstler“ (Post vom 27.3.) geschrieben habe. Geht das Ganze auch umgekehrt? Gibt es Künstler ohne Können und sind das dann überhaupt Künstler? Erst mal ist man ja versucht zu sagen „Klar gibt es das“. Aber genau genommen fällt mir niemand dazu ein. Außer vielleicht die Leute, die sich als Künstler bezeichnen, aber bisher noch nie mit irgendeiner Arbeit aufgetreten sind, die diese Bezeichnung rechtfertigen würde.  Beim besten Willen ist mir bisher kein anderes Beispiel eingefallen. Kunst braucht einfach auch handwerkliches, technisches Können. Sonst bleibt das Ganze im Hobbybereich. (siehe dazu auch Post vom 24.1.2014) Ebenen der künstlerischen Tätigkeit.

Gibt es weibliche Kunst?

Farbe oder Material hat doch nichts mit dem Geschlecht zu tun. Cy Twombly fragt man auch nicht, ob er mit seinen pastellfarbenen Zeichen auf Leinwand „feminine“ Kunst herstellt. Aber Karla Black (siehe Post von gestern) wurde danach gefragt, weil sie ihre Zellophangebilde mit zarten Farben anreichert. Mit Recht hat sie sich dagegen gewehrt. Nachzulesen im Februarheft der Zeitschrift Art. Und nein, ich kriege keine Prozente von Art;-)