Skulpturen aus Zellophan

Das hätte ich nicht gedacht, dass man aus Zellophanplanen, Tesafilm und etwas Farbe anmutige Skulpturen herstellen kann. Dieses Zauberwerk gelingt der schottischen Künstlerin Karla Black. Und fast wäre es mir entgangen, denn die Zeitschrift Art vom Februar 2014 habe ich wegen ihres finsteren Titelbildes zunächst gar nicht wahrgenommen. Heute aber, im Wartezimmer (!) ist mir ein Artikel über sie ins Auge gestochen.

Karla Black schafft nicht nur bemerkenswerte raumbezogene Skulpturen, sie äußert sich auch sehr klug über ihre Kunst. Besonders nervt sie die Frage nach deren Bedeutung. Sie hat es lieber, wenn man nach der Konsequenz einer Arbeit fragt, danach was sie in der Welt tut.

Spagat zwischen Parterre und erstem Stock

Super Idee, die Fotografin Barbara Klemm auf Goethes Spuren fotografieren zu lassen. Herausgekommen sind starke Schwarz-Weiß-Fotos. Im Sinclair-Haus, Bad Homburg, wollte die Altana-Stiftung diese Fotos den Handzeichnungen des Dichters gegenüber stellen.
Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund befinden sich aber die Fotos im Parterre, die Zeichnungen im ersten Stock. Von Gegenüberstellung kann also keine Rede sein. Das ist sehr schade, weil man so dem Konzept nicht wirklich nachspüren kann. Aber vielleicht gibt es ja visuelle Gedächtnisartisten, die sich oben noch erinnern, was genau sie unten gesehen haben;-)

Könner und Künstler

Dieses Zitat passt gut zum Post von gestern: „Er ist ein Könner, aber kein Künstler.“ Will sagen, technisches Know-how allein macht es nicht. Dieser Spruch stammt übrigens von Martin Suter aus seinem Buch „Der letzte Weynfeldt“. Dort gibt es die Figur eines etwas herunter gekommenen Malers, der sich als Fälscher betätigt. Eben – als Fälscher, nicht als Künstler.

Schneller, höher, weiter…

Was lese ich in letzter Zeit immer häufiger? „Wie man auf schnellstem Weg Musiker (oder Schriftsteller oder Künstler oder sonst was) werden kann“. Danach kommt: Kurzvortrag. Wie bitte???? Wer sich in einem dieser Metiers auch nur ein bißchen auskennt weiß, dass das nicht „schnell“ geht. Natürlich kann man sich ein paar Grundlagen in relativ kurzer Zeit aneignen – oder per Kurzvortrag reinziehen. Deshalb ist man aber noch lange kein Künstler, Musiker, Schriftsteller oder was sonst noch angeboten wird. Und ich finde es etwas vermessen, auch nur den Anschein zu erwecken als wäre das möglich. Uff. Soviel dazu.

Nochmal: Ist das Kunst oder kann das weg?

Die rasante Verbreitung dieses Spruchs zeigt etwas auf, was sonst eher im stillen Kämmerlein oder alleine vor einem Werk im Museum stattfindet: Zweifel und Unsicherheit gegenüber so manchen ausgestellten Arbeiten. Zum Beispiel Tracey Emin und ihr nächtens mit dem Liebhaber „bearbeitetes“ Bett. Ich will hier gar kein Urteil fällen, aber dass so manchem Kunstbetrachter da Zweifel kommen, kann ich gut nachvollziehen. Oft muss man einfach mehr über die Absichten wissen, um eine Arbeit beurteilen oder gar wertschätzen zu können.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Dieser Spruch verbreitet sich gerade rasend schnell: als Stempel, auf Postkarten, auf T-Shirts, sogar auf Frühstücksbrettchen! Freitagabend haben wir aus dem Spruch ein Spiel gemacht: Die Gäste im Atelier suchten sich aus vielen Bildern von Kunstwerken einige aus und ordneten sie auf einer Wand in drei Kategorien ein: „Kunst“, „oder“, „weg“. Das hat Spaß gemacht und war auch interessant, denn immerhin waren sich fast alle einig, was in welche Kategorie sollte. Selbst die zweifelhaften Beispiele unter „oder“ wurden nahezu einstimmig so eingeschätzt.

Kunst kommt von Kunde

Kunde? Na klar, im Sinne von Verkünden. Oben stehender Satz stammt aus der anthroposophischen Lehre. Das heißt, zur Kunst gehört nicht nur das technische Können, sondern auch das, was das Werk mitteilen will. Und deshalb muss man sich als Betrachter darauf einlassen.
Ein Freund von mir sagte auf die Bemerkung eines Betrachters „Das spricht mich nicht an“ folgendes: „Sprichst Du denn das Bild an? Was tust Du dazu? Lässt Du Dich darauf ein? Versuchst Du überhaupt klarzukriegen, was das Bild in Dir auslöst?“ Ein hoher Anspruch, aber beim Genießen moderner Kunst ein notwendiger.

„Das kann ich auch!“

Im letzten Post war von Künstlern um die Wende 19. Jahrhundert die Rede. Und heute? Wenn jemand mit einem modernen Kunstwerk (z.B. mit den Arbeiten von Cy Twombly) überhaupt nichts anfangen kann, rettet er oder sie sich in Sätze wie „Ich versteh ja nix von Kunst“ oder „Das kann ich auch“. Letzteres soll dann dezent andeuten, dass das was man da sieht eigentlich keine Kunst ist, weil er (oder sie) es ja auch könnte. Wüste Beschimpfungen finden heute anscheinend nicht mehr statt – man könnte sich ja blamieren.

Tja, schwierig, denn hat die Person so ein Bild gemalt? Nein, aber Cy Twombly und er hat sich mit Sicherheit auch was dabei gedacht. Im Nachhinein kann also jede/r behaupten „das könnte ich auch“. Vom rein Technischen mag das für viele Werke auch zutreffen. Aber es gehört noch mehr dazu.

Wir hinken100 Jahre hinterher

Folgende Anekdote illustriert die Überschrift: Ein berühmter Kunstkritiker schrieb:“Soeben ist bei Durand-Ruch (eine Galerie in Paris, M.A.) eine Ausstellung eröffnet worden, die angeblich Bilder enthalten soll… Fünf oder sechs Wahnsinnige haben sich zusammen getan….. Diese sogenannten Künstler … nehmen ein Stück Leinwand, Farbe und Pinsel, werfen auf gut Glück einige Farbkleckse hin und setzen ihren Namen unter das Ganze. Es ist eine ähnliche Verblendung, als wenn Insassen einer Irrenanstalt Kieselsteine aufheben und sich einbilden, sie hätten Diamanten gefunden.“
Diese „Wahnsinnigen“ hießen übrigens Renoir, Monet, Cezanne. Und veröffentlicht wurde dieser Artikel 1876 in Le Figaro. Heute ist das breite Publikum begeistert von ihren Bildern.

Und was lernen wir daraus? Unsere Sehgewohnheiten hinken 100 Jahre hinterher.

Eine neue Brille

„Wenn man eine neue Brille bekommt, dann verschwimmt manchmal alles ein wenig. So ist das mit dem Neuen. Es stellt sich erst langsam scharf.“ Diese Zitat stammt aus der neuen Brandeins (Wirtschaftsmagazin 3/2014). Und nein, ich habe keine neue Brille.

ABER: Dass das Neue Zeit braucht, um zu wirken, das kenne ich auch. In der Welt und im Atelier. Geduld ist dann angesagt. Und Vertrauen. Das ist vielleicht noch wichtiger. Vertrauen darauf, dass das Neue, das sich auf der Leinwand ankündigt, wachsen wird. Und gut wird. Drückt mir die Daumen!

Es regnet Impulse

Dem letzten Eintrag lässt sich entnehmen, was im Moment los ist. Es regnet Impulse auf mich nieder. Sie wirbeln hoch, wirbeln fort und ich bin damit beschäftigt, soweit wie möglich zu sammeln. Ob alles Bestand hat, wird sich im Laufe der Zeit herausstellen. Wenn mal wieder Pause ist.
Das Schlimmste was dann passieren kann, ist, dass alles was mir so interessant, inspirierend und intensiv erschien, bei näherer Betrachtung nichts taugt. Tja, Pech gehabt. Und weiter machen.

Sturm im Gehirn

Habe ich neulich über schöpferische Pausen geschrieben? Das kann ich kaum noch glauben. Dennoch, Pausen sind das Eine. Zu viele Ideen das Andere. Und fast zwangsläufig folgt bei mir das Andere auf das Eine. Wenn Sturm im Gehirn ansteht, dann ist gutes Management gefragt. Das heißt: Ideen notieren, zeichnen, sammeln. Und wenn ich mir noch so sicher bin „das merke ich mir schon“: Nix da. Festhalten und es weiter stürmen lassen. Geistesblitze sind nämlich genau das, was der Name sagt – Blitze. So schnell vorbei wie gekommen.

Über das Vergessen und die Inspiration

Mein Motto stammt von Rainer Maria Rilke „Kunst heißt, nicht wissen, dass die Welt schon ist, und eine machen.“ Leider kann ich nicht sagen, aus welchem seiner Texte es stammt – das habe ich vergessen;-)

Für Kunstschaffende ist dieser Satz aber sehr zutreffend: Vor der Leinwand stehen und so tun, als wüsste man nicht, dass es schon unendlich viele gute und hervorragende Kunst gibt und dennoch ein neues Kunstwerk schaffen. Denn würde man in diesem Moment darüber nachdenken, wäre es vorbei mit dem neuen Bild.

Klar würde uns dann auch viel Schrott erspart bleiben, aber es könnte doch bei jeden neuen Versuch ein Meisterwerk entstehen. Und wer sollte ein solches missen?