Die Zitronen im Leben

Gestern habe ich einen sehr schönen Spruch gefunden, der sich wirklich vielseitig anwenden lässt: „Wenn mir das Leben Zitronen gibt, mache ich Limo daraus“. Das kennt man doch. Auch wenn es manchmal schwierig ist, den Satz konkret umzusetzen. Wie mache ich zum Beispiel ´Limo`, wenn ein Kunde ein Bild reserviert hat und nicht mehr auftaucht? Oder wenn ich lange eine Ausstellung vorbereite und die kurzfristig abgesagt wird? Da gibt es so einige Beispiele. Aber ich arbeite dran. Übrigens geht der Dank für diesen Spruch an Bettina Knierim von Xing, die diesen Satz auf einer ihrer Websites (http://bettina-knierim.jimdo.com) stehen hat.

Video auf dem Damenklo

Eine kleine, rothaarige, weibliche Figur, die sich schimpfend nach oben reckt. Sie scheint sich da, wo sie gerade ist, nicht wohl zu fühlen – auf dem Fußboden der mittleren Kabine, Damentoilette, Museum für Moderne Kunst in Frankfurt. Es handelt sich um eine Videoinstallation der Schweizer Künstlerin Pippilotti Rist. Wie alle ihre Arbeiten ist auch diese bunt und voll hintergründigem Humor. Um in den vollen Genuss zu kommen, muss man allerdings die Tür schließen. Einzige Beleuchtung ist dann der Videostrahl, der von oben auf den Fußboden strahlt.

Diese Arbeit erschließt sich selbst Menschen, die sonst nicht viel mit moderner Kunst anfangen können. Und erleichtert stellen sie häufig fest, dass man über Kunst auch lachen darf.

Wann ist eine Pause schöpferisch?

Diese Frage stelle ich mir öfter. Manchmal ist eine Pause die Vorstufe zu erhöhter Kreativität und manchmal ein absoluter Inspirationskiller. Andere Künstler schwören darauf, Krisen zu begegnen, indem sie Pause machen, z.B. Reisen, ganz was anderes tun, ein gutes Buch lesen etc. Meine Erfahrung damit ist, dass zu viel Abstand von der Arbeit diese eher behindert als unterstützt. Irgendwie muss ich innerlich mit der Arbeit und dem Atelier verbunden bleiben. Sonst wird der Anlauf zur künstlerischen Arbeit immer länger. Deshalb steht in meinem Atelier der Spruch von Picasso: „Inspiration exists – it only has to find you working.“

Kehlmann zum dritten

Zum dritten und letzten Mal Daniel Kehlmann: „Alle Museen sind voll von Fälschungen, na und? Die Herkunft von allem und jedem in dieser Welt ist unsicher, bei der Kunst ist kein Zauber im Spiel und keines Engels Flügel hat die großen Werke gestreift. Dinge der Kunst sind Dinge wie alle anderen: Manche sind äußerst gelungen, aber keines stammt aus einer höheren Welt.“ Also doch alles `totes Zeugs´ wie Bazon Brock sagt (siehe auch post vom 7.2.14)? Wenn Kunst etwas in uns berührt, ist sie eben doch mehr als totes Zeugs. Aber ich bin wohl nicht die richtige, um objektiv darüber zu urteilen.

Wenn ein Rembrandt kein Rembrandt ist

Noch mal Daniel Kehlmann: „Von so manchem Bild Rembrandts…wissen wir jetzt, dass nicht Rembrandt es gemalt hat. Ist es darum schlechter?

`Natürlich nicht!´ rufen Laien eilfertig aus. Aber so einfach ist das auch wieder nicht. Ein und dasselbe Bild ist nicht dasselbe, wenn es von einem anderen stammt. Ein Werk ist eng verknüpft mit unserer Vorstellung davon, wer es wann, warum und aus welcher Not in die Welt gebracht hat. Ein Schüler, der alle Fertigkeiten seines Lehrers erworben hat und nun malt wie er, bleibt dennoch ein Schüler, und wären die Bilder van Goghs von einem wohlhabenden Herrn eine Generation später gemalt worden, man schriebe ihnen nicht den gleichen Rang zu. Oder etwa doch?“ Ein weites Feld, das sich da auftut. UND: Fortsetzung folgt…

Es gibt keine Kunst – oder?

Daniel Kehlmann lässt in seinem Buch „F“ einen Kunstfälscher folgendes sagen: „Als ich jung war, eitel und ohne Erfahrung hielt ich die Kunstwelt für korrupt. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt. Die Kunstwelt ist voller liebenswürdiger Menschen, voller Enthusiasten, voll von Sehnsucht und Wahrhaftigkeit. Es ist die Kunst selbst, als heiliges Prinzip, die es leider nicht gibt.

… Es gibt nur Werke, unterschiedlich in Machart, Form und Wesen, und es gibt das Sturmgeflüster der Meinungen über sie.“ Wen das `Sturmgeflüster` bekannt macht, der hat ordentlich Rückenwind.

 

Totes Zeugs

Bazon Brook und Xenia Hausner im Gespräch, wobei die Meinungen zu Kunst ziemlich auseinander gehen.

Bazon Brook: Man sieht (auf Bildern) nichts als totes Zeug, auf das der Betrachter reagiert.

Xenia Hausner: Wenn es gemalt ist, ist es beseeltes Zeug.

Bazon Brook: Eben nicht – beseelt ist nur der Betrachter, … der (auf das Bild) reagiert.

Für mich bleibt die Frage unbeantwortet, was den Betrachter veranlasst auf das Bild zu reagieren. Da muss es doch etwas geben, das als Auslöser für eine „Beseelung“ funktioniert. Man sieht, mit rein rationalen Argumenten, wie Bazon Brook sie hier zeigt, kommt man nicht wirklich weiter.

Aus: Xenia Hausner, You & I, München, 2008

Der Geist ist keine Zimmerlinde

Papiercollage auf Leinwand

Papiercollage auf Leinwand

Genau genommen heißt das Zitat des Schweizer Dichters Kurt Marti „Der heilige Geist ist keine Zimmerlinde“. Aber der Satz funktioniert auch ohne das Wort heilig. Zunächst ein Satz so platt wie wahr. Bei genauerem Nachdenken ist er ein genialer Ausdruck für die Ambivalenz zwischen Geist und Materie. Ein Thema, das mich zu immer neuen Auseinandersetzungen herausfordert.

In einer Serie von Bildern habe ich diese zwei Seiten von künstlerischen Arbeiten überbetont: Die eine durch starke Reduzierung, die andere durch deutliche Materialhaftigkeit. Ich hoffe, dass das durch nebenstehendes Beispiel deutlich wird.

Höhepunkte im Atelier

Ein schönen Eintrag habe ich vor ein paar Jahren in einem Katalog für Künstlerbedarf gefunden. Jürgen Habedank fragte sich dort, „wieso…. so viele Menschen ständig das ´Schon-Gesagte´ erkennen“ wollen. Denn Malerei sei doch heute notwendigerweise Projektionsfläche für das ´Noch-nicht-Gesagte´, für das Unformulierte.( Mit ´notwendigerweise´ meint er vermutlich: seit Erfindung der Fotografie.)

Ohne das Unformulierte wäre es gar nicht möglich, vom eigenen Bild überrascht zu werden. Mir geht es manchmal so, dass ich einem neuen Bild gegenüber äußerst skeptisch bin, es als fremd empfinde und gar keinen Zugang dazu finde. Erst nach einiger Zeit öffnet sich dann ein Fenster und ich ahne, was ich da gemalt habe. So ein Erlebnis gehört zu den Höhepunkten im Atelier.