Der, die, das Abwesende

Wem es noch nicht aufgefallen sein sollte, in den letzten Beiträgen kam wieder die langjährige Dozentin durch;-) Jetzt ist es aber mal genug damit. Im Moment beschäftigt mich ein Aspekt der Kunst, der äußerst schwierig zu fassen ist, nämlich die Darstellung des Abwesenden. Damit ist das gemeint, was sich hinter Bildaussagen verbirgt, bzw. das, was der Betrachter, die Betrachterin innerlich hinzufügen muss, damit das Bild ein Ganzes gibt. Dazu braucht es aber Hinweise, subtile Anstöße im Bild. Denn auch in diesem Bereich gilt: Von nix kommt nix. Schwieriges Thema, aber reizvoll.

Ebenen der künstlerischen Tätigkeit

Constanze Kirchner hat in ihrem Buch „Kinder und Kunst der Gegenwart“, Frankfurt, 1999, die Ebenen der künstlerischen Tätigkeit skizziert:

Laienebene: Arbeit mit künstlerischenWerkzeugen und Techniken

Amateurebene: Fähigkeit zur optischen Darstellung, zur Assoziation, Selbstreflexion und fachliches Wissen.

Profiebene: Künstlerische Kompetenz, gekennzeichnet durch Bedeutungszusammenhang, Bildanalyse, Bildfindung, Intervention, Konstruktion von Wirklichkeit, Sinn- und Bedeu-tungszuschreibung, Fachwissen, Wertebildung.

Was ich hier so knapp skizziert habe, gibt zumindest eine Ahnung von den Unterschieden, die sich auf den verschiedenen Ebenen auftun. Deutlich wird hoffentlich, dass ein paar  gesetzte Striche oder Farbflächen nichts mit Kunst zu tun haben.

„Meine Frau malt auch“

Im letzten Post schrieb ich, dass es genug an „Kunstverstand“ ist, wenn man sich an dem Bild über dem eigenen Sofa freuen kann. Das stimmt andererseits auch wieder nicht. Denn welcher kunstschaffende Mensch kennt nicht diese Situation:

„Was machen Sie beruflich?“ Antwort: „Ich bin Malerin.“ – „So richtig professionell?“ Antwort: ein schlichtes „Ja“. Umgehend beglückt mich mein Gegenüber mit der Bemerkung „Meine Frau malt auch.“ Meistens sind es die Frauen, die „auch“ malen.

Wohlgemerkt, ich finde es prima, wenn Leute Freude am Malen oder anderen künstlerischen Gestaltungen haben. Dennoch ist das nicht ganz dasselbe wie professionell Kunst zu betreiben. Und nicht jede ausdrucksstarke Farborgie auf der Leinwand hat etwas mit Kunst zu tun. Dazu im nächsten Post mehr.

MUSS man von Kunst was verstehen?

Das kommt ganz darauf an.

NEIN, wenn ich mich an dem schönen Bild freuen will, das über meiner Couch hängen soll. Wenn ich Besuche in Galerien und Museum genießen will oder einfach neugierig bin.

JA, wenn ich für ein Museum, eine renommierte Galerie oder sonst eine Institution im Kunstbetrieb arbeite. Wenn ich für diesen Betrieb einkaufen soll. Und dann habe ich natürlich studiert und bin mit der Nomenklatur in der Kunst vertraut. Obwohl – auch da geht so manches schief und nicht jeder Ankauf erweist sich als gut investiert.

 

„Von Kunst verstehe ich ja nix“

Ich glaube keinen Satz habe ich so oft gehört, wie diesen. Aber was heißt das? Eigentlich heißt es nur, dass man sich noch nicht genügend mit Kunst  beschäftigt hat, um eigene Kriterien zur Beurteilung zu haben. Der Chef eines großen Londoner Auktionshauses hat dazu gesagt: „Es gibt nur ein Rezept, um Kunst zu beurteilen. Man muss sich so viel ansehen wie möglich.“ Das heißt, gucken, auch mal nachlesen, was andere dazu zu sagen haben. Aber sich auf keinen Fall von den oft sehr verquasten Redewürmern vieler Kunsthistoriker beeindrucken lassen. Sollen die reden – letzten Endes braucht jeder seinen eigenen Zugang zur Kunst. Und den kann man sich erschauen.

Innenräume – Innenleben

Noch so ein „altmodisches“ Sujet ist das Interieur. Die Abbildung des Innenraumes wurde mit Erstarken des Bürgertums ein Symbol für die Selbstdarstellung desselben. Vorläufiger Höhepunkt in der zeitgenössischen Kunst sind real betretbare Innenräume (z.B. von Bruce Nauman oder Ilya Kabakov). Auf der Leinwand scheint aber eine Pause eingetreten zu sein. Nur sehr wenige Künstler beschäftigen sich mit diesem Thema. Ob das daran liegt, dass Schöner Wohnen und andere Zeitschriften massenhaft die Darstellung des Interieurs übernommen haben und damit emotionale Befindlichkeiten demonstrieren?

Moden in der Kunst

Es gibt sie selbstverständlich auch in der modernen Kunst: Moden und aktuelle Trends wie und was „man“ heute malt. Blumenstücke zum Beispiel sind völlig „out“. Dabei lassen sich auch über die Darstellung von Blumen allgemein gültige Aussagen treffen. Aber das scheint zur Zeit niemanden weiter zu interessieren. Schade eigentlich. Denn gerade solche „altmodischen“ Sujets können einen großen Reiz entfalten. Vielleicht versuche ich mich mal daran. Aber zur Zeit verfolge ich andere Themen. Dazu im nächsten post mehr.

 

Frauen vorn!

So schrieb die Zeitschrift Art in ihrer Novemberausgabe. Und stellte im Heft fest, dass immer noch Männer die höchsten Preise erzielen. Weiter hinten stand dann, dass aber insgesamt Frauen mehr Geld mit Kunst verdienen als Männer. Was lernen wir daraus? Die Antwort, die man kriegt, hängt von der Frage ab, die man stellt. Interessieren mich nur Höchstpreise, finde ich nur wenige Frauen in der Liste. Interessiert mich aber, wem es überhaupt gelingt, von Kunst zu leben sieht die Sache ganz anders aus. Deshalb finde ich den Titel „Frauen vorn“ auch absolut berechtigt.

Fundstück

Manche Zitate brauchen keinen Kommentar. So dieses von Alfred Hrdlicka: „So wenig ein Meister vom Himmel fällt, fallen die Kunstwerke vom Himmel, und was ich von der Inspiration halte, da kann ich mich nur selbst zitieren: Mir fällt nichts ein, mir fällt was auf!“

Wenn der Kopf raucht

Mancher Tag im Atelier ist vor allem von Frust gekennzeichnet. Es will einfach nicht weitergehen. Heute war so ein Tag. Das Blau sieht auf der Leinwand nicht so aus, wie ich mir das gedacht hatte, die Struktur wirkt etwas müde, und die Kohle schmiert. Da kommt so ein Satz von Picasso gerade recht: „Inspiration exists, it only has to find you working.“ Dass ich nicht arbeite, kann niemand behaupten. Jetzt warte ich nur noch auf den Besuch der Inspiration;-)

Vom Lob der Unlogik

Folgendes Zitat hat einer meiner Kontakte auf xing veröffentlicht: “Zu den Dingen, welche einen Denker in Verzweiflung bringen können, gehört die Erkenntnis, dass das Unlogische für den Menschen nötig ist, und dass aus dem Unlogischen vieles Gutes entsteht.” (Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches) Ganz entschieden gehört die Kunst zu dem Guten, das aus Unlogik entstehen kann. Und vielleicht ist ein rauchender Kopf nur die Folge aus dem Versuch, das Unlogische mit Logik zu erfassen. Leuchtet ein – oder?

Hier piept`s

Singvögel: PirolEigentlich so gar nicht mein Stil dieser Vogel. Dennoch habe ich über 40 solcher Miniformate gerade fertiggestellt. Geplant sind sie für eine große Einzelausstellung in Chateau Loudenne an der Gironde (Frankreich).  Titel der Ausstellung: „Of Birds and Trees“. Gezeigt werden zehn Seidenfahnen (siehe auch „Drache im Paradiesgarten“ in der Galerie). Dazwischen sollen locker verteilt die Singvögel hängen. Dazu muss man sich noch vorstellen, dass der Ausstellungsraum in einem sehr schönen rot gestrichen ist. Diese Art der Inszenierung im Raum reizt mich sehr. Im Mai ist es soweit, dann wird es wahrscheinlich wieder einen kleinen Film von der Eröffnung geben (siehe Startseite). Hier ist übrigens das Porträt eines Pirols zu sehen, gezeichnet und coloriert auf 15 x 15 cm.