Von der Lust einzukaufen

Keine Sorge, es geht mir hier nicht um das sogenannte Shoppen. Das finde ich ziemlich langweilig. Aussuchen, anprobieren, kaufen oder zurücklegen. Gääähn. Aber ein Baumarkt oder ein Laden für Künstlerbedarf… da kann ich mich lange aufhalten und in Gedanken verlieren. * Könnte man auf einem Tapeziertisch malen? Klar, habe ich schon gemacht. *Aus welchem Material kann man sauber Miniklötze sägen? Ach ja, aus MDF-Platten. *Was sind denn das für neue Stifte? Acrylstifte? Ausprobieren! *Womit kann man Oberflächen von einem auf den anderen Untergrund übertragen? Da ist dann gute Beratung gefragt. So eine gute Beratung hatte ich heute in einem Laden für Künstlerbedarf. Das war die reine Freude, denn jetzt komme ich mit meiner neuen Arbeit einen großen Schritt weiter. Auf geht`s.

Noch eine Bilderreise

Je weniger ich zum Reisen komme, desto mehr scheinen meine Bilder sich herum zu treiben. Wieder sind zwei Arbeiten unterwegs, diesmal Richtung Köln. Am Sonntag, 26. April 2015 um 15 Uhr wird im Kulturbunker in Köln-Mülheim eine Ausstellung eröffnet, die von dem Internetportal smartkunst organisiert wurde. Von allen Kunstportalen, die im Internet ihre Dienste anbieten, ist http://www.smartkunst.de das nach meiner Erfahrung seriöseste. Die Kombination von Internetportal und parallel dazu eine Ausstellung an realem Ort finde ich besonders attraktiv. Ich bin also sehr gespannt. Und hoffe auf einen guten Platz für meine beiden Arbeiten aus der Serie „Archen“.

>Mara Anders Arche 3

Bilder auf Reisen

Wenn ich schon nicht verreise – meine Bilder tun es. Zur Zeit sind gerade zwei kleine Arbeiten in England unterwegs. Das heißt im Moment hängen sie hoffentlich ordentlich an ihrer Wand im New Brewery Arts Center in Cirencester, Gloucestershire. Aber danach werden sie weiterreisen. Zunächst nach Frankreich (Lasalle), dann nach Taiwan und von April bis Mai 2016 nach Genf in der Schweiz. Irgendwie schon beneidenswert. Vielleicht gelingt es mir auch nach Genf zu reisen;-)

Papiercollage auf Leinwand

Papiercollage auf Leinwand

Erdmenger kann wieder einer Linie folgen

„Erdmenger folgt einer Linie“ habe ich am 18. Juni letzten Jahres geschrieben. Die Linie mäanderte durch das Hessische Landesmuseum Darmstadt und zwar vor dessen Renovierung. JETZT kann Erdmenger (wer immer das sein mag) wieder einer Linie folgen. Diesmal aber im renovierten Bau. So nach und nach lassen sich die einzelnen Abteilungen eines der wenigen noch existierenden Universalmuseen erobern. Besonders freue ich mich über die Dioramen, die 1904 bei der ursprünglichen Erföffnung zum ersten Mal in Deutschland zu sehen waren. Als Kind habe ich sie besonders geliebt. Und wenn es sonntags hieß „Wir gehen ins Museum“ wollte ich immer als Erstes in den schmalen Raum mit den Schaufenstern in denen bühnenartig Lebensräume exotischer Tiere dargestellt waren. Viele der präparierten Tiere erstrahlen heute, nach 110 Jahren  in neuem Glanz. Ich mache es also wie Erdmenger (eine Figur des Schriftstellers Christoph Peters) und folge meiner Linie.

„Jeff Koons ist kein Künstler…“

„…sondern ein grandioser Verkäufer“ schreibt Hubert Thurnhofer in seinem klugen Buch „Die Kunstmarktformel“. Und auch mit einigen anderen Kunstgrößen geht er scharf ins Gericht. Dass mir diese Sätze aus der Seele sprechen ist ein Grund, das Buch zu empfehlen. Der andere ist, dass ich selten so eine klare Analyse der Chancen und Unmöglichkeiten im Kunstbetrieb gelesen habe. Der Autor hat sich viel vorgenommen mit diesem Buch. Ob ihm das gelungen ist, möge jeder selbst entscheiden. Mir hat es auf jeden Fall den Blick geöffnet. Und mich darin bestärkt, meinen eigenen Weg zu gehen. Welcher das ist? Vielleicht schreibe ich auch mal ein Buch, um anderen Künstlern todsichere Methoden zum Erfolg aufzuzeigen;-)

Die Kunstmarktformel

Gestern habe ich ein paar Zahlen aufgelistet, die deutlich machen, mit welcher immensen Konkurrenz man als Künstler, mehr noch als Künstlerin, leben muss. Das hat natürlich Folgen. Überall (auch bei Xing) bieten sich Leute an, die helfen wollen, sich als Marke im Kunstmarkt zu etablieren. Dass es in meinem Augen unsinnig ist, dafür Geld auszugeben, habe ich ja schon mehrfach geschrieben. Aber das verringert die Zahl der Angebote, die fast täglich in die Mailbox rauschen nicht. Denn, wie Hubert Thurnhofer in „Die Kunstmarktformel“ schreibt, „…dass es zum Wesen des Künstlers gehört, als eigenständige Marke wahrgenommen zu werden“. Gleichzeitig stellt er fest, dass, „eine Markenbildung auf dieser Ebene nicht mehr möglich ist.“ Mit dieser Ebene sind die vielen Künstler gemeint, die nicht zu den paar Tausend Top-Künstlern gehören. Auch wenn das keine erfreuliche Nachricht ist, eine realistische Einschätzung ist es allemal.

Diese merkwürdige Kunstwelt

Über Pausen im Atelier habe ich ja gelegentlich schon geschrieben. Das ist diesmal nicht das Problem. Diesmal geht es um den Blog. Genau, diesen hier, den Sie gerade lesen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir zeitweise mal die Themen ausgehen könnten. Aber genau das ist in den letzten Wochen der Fall gewesen. Als gäbe es nicht genügend Anlass, sich Gedanken zu machen über diese merkwürdige Kunstwelt.
Ein Autor hat die Merkwürdigkeit besonders prägnant formuliert: Der Galerist Hubert Thurnhofer mit seinem Buch „Die Kunstmarktformel“ (Norderstedt, 2014). Allein folgende Zahlen könnten einen deprimieren: 100 Top-Künstler weltweit. 100 Top- Künstler pro Land, 2500 arrivierte Künstler pro Land, eine Million aufstrebende oder versteckte Champions weltweit, und unendlich viele Künstler aller Art. Wie gesagt, das könnte deprimieren. Warum es das dennoch nicht tut? Weiß ich auch nicht. Ich mache einfach meine Arbeit.

Nur kleine VERLEGENHEIT in München

Unter dem Titel „Ab nach München!“ wurde eine historische Schau mit Arbeiten von Künstlerinnen zusammengestellt, die um 1900 an der Damen Akademie und anderen Orten in München studiert haben, um so einen Blick auf die Anfänge weiblicher Professionalität im Kunstbereich zu dokumentieren. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Ausstellung sicher interessant, weil sie deutlich macht, wie viele Hindernisse Frauen überwinden mussten, um überhaupt ernst genommen zu werden. Gabriele Münter und Käthe Kollwitz gehören zu den ganz wenigen, deren Name auch heute noch ein Begriff ist.  Dagegen kennen  Marianne von Werefkin und ihre wichtige Rolle im Blauen Reiter wohl die wenigsten. Andere Namen sind völlig untergegangen. Wie ich höre, sind leider nur wenige Arbeiten dabei, die auch heute noch Bestand haben können. Also auch ein wenig Verlegenheit im Spiel.

Der Wind der den Frauen entgegenblies war eisigkalt. Und auch heute weht gelegentlich noch ein kühles Lüftchen, wenn ein alter Mann behauptet, Frauen könnten von Natur aus keine Künstlerinnen sein. Na, so deutlich hätte er seine eigene Beschränktheit auch wieder nicht zeigen müssen.

VERLEGENHEIT in Frankfurt, München, Sindelfingen 2

Im Schauwerk Sindelfingen heißt die Ausstellung „Ladies first!“ und will demonstrieren, dass „in der Sammlung von Peter und Christiane Schaufler Werke von Künstlerinnen seit jeher einen hohen Stellenwert haben. Erstmals stellt das SCHAUWERK Sindelfingen nun ausgewählte Arbeiten von Künstlerinnen vor. Die gezeigten Werke umspannen einen Zeitraum von den 1970er-Jahren bis zu jüngsten Postionen…… Gattungsübergreifend zeigt die Ausstellung Malerei, Skulptur, Videoarbeiten, Fotografie und Installationen. Die Vielfalt der Arbeiten macht deutlich, wie rigoros die Grenzen einer „femininen“, feministischen oder dekorativen Kunst in den vergangenen Jahrzehnten gesprengt wurden.“

Wie bitte? Ich weiß wirklich nicht, was mit dem letzten Satz gemeint ist. Feminine, feministische und dekorative Kunst in einem Atemzug? Was soll das bitte sein – oder aber gewesen sein? Da hängt doch noch eine Menge Staub in den Gehirnen. Wehren sich die Künstlerinnen denn nicht – oder können sie sich nicht wehren, weil ja – genau wie in Frankfurt (Post von gestern) – im Fundus gekramt wurde. Besonders blamabel finde ich für die Veranstalter, dass „ein Großteil der Werke in der Ausstellung LADIES FIRST! erstmals präsentiert wird, so auch die meterhohen Raketen von Sylvie Fleury mit dem Titel „First Spaceship On Venus“ (1996). … Zusammen mit Arbeiten von Rosemarie Trockel und Isa Genzken bilden Fleurys Werke einen Schwerpunkt der Ausstellung.“

Also bitte, wenn die Werke von Künstlerinnen seit jeher so einen hohen Stellenwert hatten – wieso werden sie dann jetzt (nach fast 20 Jahren) zum ersten Mal gezeigt?

VERLEGENHEIT in Frankfurt, München, Sindelfingen 1

Man errät nicht gleich, was diese drei Städte zur Zeit gemeinsam haben. Schon gar nicht, dass alle drei im Moment wegen ihrer Kunstausstellungen genannt werden. Und noch weniger, dass auch diese Ausstellungen etwas verbindet: Sie zeigen in großen Schauen ausschließlich Kunst von Frauen. Frankfurt kommt international daher und nennt die Ausstellung des Museums für Moderne Kunst (MMK) im Taunusturm „Boom she Boom“. Das weist nun nicht gerade auf ein Thema hin, sondern hört sich eher nach Verlegenheit an. Denn „in Skulpturen und Installationen, Gemälden und Zeichnungen, Filmen und Performances hinterfragen die Künstlerinnen die Repräsentation und gesellschaftliche Konnotation des weiblichen Körpers. Sie beschäftigen sich mit sozialen und globalen Zusammenhängen, untersuchen Formen von Narration und Abstraktion und analysieren Strategien der Raumaneignung. Ihre Werke sind geprägt von individuellen Wahrnehmungen und persönlichen Erfahrungen, sie demonstrieren Subversivität und Mut zur Offenheit.“ So der Werbetext. Aha und weiter? Nix weiter. Das war´s auch schon. Ich wage zu bezweifeln, dass man den Frauen einen Gefallen tut, wenn man ihre Arbeiten allein wegen des Geschlechts ausstellt.

Natürlich werde ich mir dennoch die Arbeiten anschauen, denn es sind die derzeit bekanntesten und gefragtesten Künstlerinnen vertreten: Vanessa Beecroft, Andrea Büttner, Rineke Dijkstra, Marlene Dumas, Katharina Fritsch, Isa Gensken und und und… (Morgen ein Kommentar zu München.)

Welche Aufgabe hat die Kunst?

Auch dazu hat die gebildete Concierge, Heldin des Romans „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery eine dezidierte Meinung: „Die Literatur zum Beispiel hat eine pragmatische Funktion. Wie jede Form der Kunst hat sie die Aufgabe, die Erfüllung unserer lebenswichtigen Pflichten erträglich zu machen.“ Denn, so meint sie, da wir Menschen denken und reflektieren können, erkennen wir irgendwann in nackter Hellsicht, die fragile Realität unserer Existenz. „…etwas muss uns diese Scharfsichtigkeit schließlich erträglich machen, etwas, was uns vom traurigen, ewigen Fieber des biologischen Schicksals errettet.

Und so erfinden wir die Kunst.“ (Muriel Barbery, Die Eleganz des Igels, München, 2010)

Wozu dient die Kunst?

„Wozu dient die Kunst? Dazu, uns die kurze aber überwältigende Illusion der Kamelie zu bescheren (Muriel Barbery bezieht sich hier auf die Liebe zu Stillleben ihrer Heldin d.V.). Wie entsteht die Kunst? Sie erwächst aus der Fähigkeit des Geistes, den sensorischen Bereich zu gestalten. Was macht die Kunst für uns? Sie verleiht unseren Emotionen Gestalt und macht sie sichtbar… “ Und im weiteren Text meint sie: „Doch wenn wir ein Stillleben ansehen, wenn wir uns, ohne sie angestrebt zu haben, an dieser Schönheit ergötzen,…genießen wir, was wir nicht zu begehren brauchten, betrachten wir, was wir nicht zu wollen brauchten, lieben wir, was wir nicht ersehnen mussten.“ Auch das Zitate aus Muriel Barbery, Die Eleganz des Igels, München, 2010. Mir gefällt einfach die elegante Sprache dieser Autorin.

Schmerzlose Geburt

„…wenn ich wie durch wunderbaren Zufall miterlebe, wie auf dem Papier Sätze (oder auf der Leinwand Bilder d.V.) entstehen, die sich meinem Willen entziehen und, indem sie ohne mein Zutun auf dem Blatt Niederschlag finden, mich lehren, was ich will, ohne daß ich wusste oder glaubte, es zu wollen, genieße ich diese schmerzlose Geburt, diese nicht bewusst herbeigeführte Selbstverständlichkeit, genieße ich es mit dem Glück aufrichtigen Staunens, ohne Anstrengung und ohne Gewißheit einer Feder zu folgen, die mich führt und mich trägt.“ Muriel Barbery, Die Eleganz des Igels, München 2010

Dem habe ich nichts hinzuzufügen (außer dem Nebensatz in der Klammer oben).

Jedes Ende ist schwer

Eigentlich geht der Satz so: Aller Anfang ist schwer. Aber die Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach hat die Erfahrung, die alle Kunstschaffenden machen, bereits im 19. Jahrhundert in Worte gefasst. „Der alte Satz: `Aller Anfang ist schwer´, gilt nur für Fertigkeiten. In der Kunst ist nichts schwerer als beenden.“

Wie wahr. Traurige Beispiele dafür sind das zu Tode gemalte Bild in der Ecke, der zur Nutzlosigkeit behauene Stein,  die zu häufig radierte Zeichnung, sodass ein unübersehbarer Grauschimmer das Blatt bedeckt. Aber auch diese Erfahrung muss man manchmal machen, damit man so allmählich ein Gespür dafür bekommt, wann eine Arbeit fertig ist und man sinnvollerweise einfach aufhört.

Ein malendes Pferd?

Hatten wir nicht schon genug von malenden Affen, Elefanten, Computern? Jetzt ist auch noch ein malendes Pferd aufgetaucht, dessen Produkte als wunderbar dekorativ für die Wohnzimmerwand angepriesen werden. Ich kann nur sagen: Das arme Tier. Das kann nur heißen, dass ihm ein Pinsel irgendwo am Kopf festgeklemmt oder ins Maul gesteckt wird.  In seinem Bemühen den lästigen Gegenstand wieder loszuwerden und Land zu gewinnen, wirft es den Kopf hin und her und das Ergebnis soll dann über der Couch hängen. Man könnte das auch als Tierquälerei ansehen.

Statt Künstlerin eben Finanzexpertin – ein Nachtrag

Natürlich ist es schön, wenn Menschen kreativ werden und mit ihren Ergebnissen zufrieden sind. Nur warum das Umfeld jedes Produkt mit „Toll, du bist ja ein Künstler“. (Wahlweise und wahrscheinlich häufiger Künstlerin) kommentieren muss, entzieht sich mir nach wie vor. Die Absurdität dieser Aussagen wird deutlich wenn wir das mal umdrehen.  Stellen Sie sich vor, dass ich z.B. ein, zwei einigermaßen sinnvolle Sätze zu Finanzfragen äußere und alles schreit: „Hurra, tolle Finanzexpertin!“ Oder aber ich finde zufällig ein paar passende Worte zur Psychoanalyse und schon bin ich von Beifall umgeben: „Die geborene Analytikerin!“. Diese Reihe ließe sich fortsetzen. Setzen Sie nur Ihren eigenen Beruf ein. Zu fast jedem könnte ich vermutlich ein, zwei Sätze zu sagen, die sich für Laien sinnvoll anhören. Macht mich das zu einer Fachfrau? Na? Eben nicht. Da sind wir wirklich einer Meinung.

Die Frage, die für mich bleibt: Warum können wir die Dinge nicht so benennen wie sie sind? Ein Bild, das jemand malt und das ihm oder ihr Freude macht, ist genau das, nicht mehr und nicht weniger. Ein gut gemachter Stuhl ist ein gut gemachter Stuhl, ein leckeres Essen eben das. Ob das der letzte Post zu diesem Thema war? Ich bezweifle es.

Erkenntnisse aus der Kragen-platz-Aktion

So ist das Leben. Da ärgert man sich so richtig über einen tatsächlichen oder eingebildeten Missstand und dann folgt eine Erkenntnis, mit der man (in diesem Falle ich) nicht gerechnet hat. Affen, Elefanten und Computerprogramme machen jede/n zum Künstler – das hat mich so richtig aufgebracht, weil es Kunst so beliebig macht. Bei näherem Nachdenken finde ich das andererseits auch wieder logisch. In einer Welt in der gerade bei der Arbeit so viel fremdbestimmt ist, so viel von vermeintlichen Sachzwängen vorgegeben wird – wo sollen die Menschen denn mit ihrem Bedürfnis nach Ausdruck und Gestaltung hin? Was liegt näher, als den Satz von Joseph Beuys (Jeder Mensch ist ein Künstler – Sie erinnern sich?) sehr wörtlich zu nehmen und sich auf den Weg zu machen.

Nur, welche Konsequenz hat das für Künstler? Dass es immer schwieriger wird, sich zu positionieren. Damit steigt auch der Druck auf jeden Fall etwas Auffallendes, Aufsehen erregendes zu zeigen. (Siehe auch Post vom 26. 9. 14) Ob sich dieser Prozess noch einmal aufhalten lässt?

Warum mir seit letzter Woche der Kragen platzt

Um meine Polemik von letzter Woche zu ergänzen: Die jungen Leute, mit denen ich zu tun habe, lieben Sprüche wie „Schief ist kreativ“ oder beim Anblick von deutlich missglückten Arbeiten den Satz „Aber jeder Mensch ist doch ein Künstler“. Das fängt leider schon im Kindergarten an. Mein sechsjähriger Freund ist mit seinem Bild nicht zufrieden und hört von der Erzieherin: „Aber das macht doch nichts, das ist doch Kunst.“ Er weiß es natürlich besser, schließlich weiß er, was er kann.

Keine Frage. Im Vorschulalter malen Kinder kreativ und unbelastet von vorgefertigten Klischees aus ihrem Inneren heraus. Das hat aber mit Kunst Null Komma Null zu tun, sondern ist ihre Art, sich die Welt anzueignen. Leider gibt es eine ganze Bewegung, die Ausstellungen mit Kinderbildern „Kinderkunst“ überschreibt. Besonders tragisch, dass dieselben „Kinderkünstler“ im Schulalter keine Anerkennung mehr bekommen. Warum? Weil sie sich abmühen, ihre Wahrnehmung so realistisch wie möglich zu Papier zu bringen. Da geht es altersentsprechend nicht mehr um Spontaneität sondern um Realität. Das dümmliche Lob für Vorschulkinder führt dazu, dass Schulkinder dann ehemalige „Künstler“ sind. Na, tolle Karriere, und sehr aufbauend für das Selbstbewusstsein der Kinder. Da kann ich wirklich nur sarkastisch werden.

 

 

Warum mir seit gestern der Kragen platzt

Langsam platzt mir wirklich der Kragen. Da werden (zur Zeit gerade auf Xing) Bilder von Affen oder von Robotern als Kunst verbreitet. Seit neuestem gibt es auch eine Spiegelapp „Website macht Kunst“, d.h. irgendwelche Bilder werden digital so verfremdet, dass sie dem Laien als Kunst erscheinen. Was das mit Kunst zu tun haben soll, weiß der Geier.

Um es noch einmal zu sagen: Kunst kommt nicht nur von Können, sonst wäre jeder Kunstfälscher ein großer Künstler. Kunst kommt vor allem von Kunde im Sinne von Botschaft. Was Computer, Roboter, Affen oder gelegentlich auch Elefanten machen geht über die einfachste Laienebene nicht hinaus. Wenn man keine Ansprüche hat, dann kann man das meinetwegen toll finden. Aber mit Kunst hat das überhaupt nichts zu tun. Leider wird hier der Satz von Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler“ so was von falsch verstanden. Genaueres ist in meinen Posts allein in diesem Jahr am 19. und 24. Januar, am 19. und 27. März, am 2. April und am 14. Oktober zu lesen. Bitte sehr.